
Der Spätherbst eignet sich, um eine Trainingspause einzulegen: Das Wetter wird kühler, grau und nass. Da fällt es mir jeweils leichter, mir etwas Zeit für andere Sachen als den Sport zu nehmen und mal ein paar Wochen das Training auszusetzen od. zumindest stark zu reduzieren. Nebst der physischen Erholung ist es aber auch die Zeit, um auf die vergangene Saison zurückzublicken, diese auszuwerten und die Lehren daraus zu ziehen. Diese münden dann in der Zielsetzung und Planung der nächsten Saison. In diesem Bericht möchte ich euch einen Einblick in meine Gedanken geben.
Kurz nach der WM war meine Gefühlslage schwierig einzuordnen. Auf der einen Seite war da die Enttäuschung über eine Saison, die nicht ganz so verlaufen ist, wie ich mir erhofft hatte. Ich konnte nicht alle meine gesetzten Ziele erreichen, hatte einige Rückschläge und schlechte Rennen zu akzeptieren. Auf der anderen Seite endete meine Saison mit dem absoluten Höhepunkt und dem Gewinn der überraschenden Staffelmedaille in der WM-Staffel, welche mich unglaublich glücklich und stolz auf unser Team macht.
Wenn ich jetzt mit etwas Abstand auf die Saison blicke, sieht die Gefühlslage doch etwas anders aus. Klar hatte ich keine perfekte Saison, aber sie war auch alles andere als schlecht!
Die Ausgangslage war natürlich eine ganz andere als im Jahr zuvor, als niemand und insbesondere ich keine Erwartungen an mich selbst hatte. Dies war in diesem Jahr nicht mehr so, ich wollte allen und vor allem mir selber beweisen, dass ich meine Resultate bestätigen oder sogar übertreffen kann. Die Bestätigung ist mir gelungen, ich konnte die 2 Top-10-Plätze an der WM bestätigen, auch erneut in der U23 Kategorie eine WM-Medaille gewinnen, den 2. Rang im U23-Gesamtweldcup verteidigen. Die Rückstände auf die Spitze waren zumindest in der Tendenz auch etwas kleiner als im Vorjahr und insbesondere in der Langdistanz gelang mir ein Schritt in Richtung Weltspitze.
Warum bin ich dann trotzdem nicht ganz zufrieden?
Die Frage ist relativ simpel zu beantworten: Es gelang mir selten, meine volle Leistung abzurufen. Ich erwarte von mir, dass ich in meinen Rennen alles gebe, dass ich meine Aufgabe, so gut ich kann, erfülle, technisch sauber arbeite und bis zum Schluss an mich glaube. Genau dies ist mir oft nicht gelungen. Ich habe für mich untypische Fehler begangen, kam selten ohne grössere Zeitverluste ins Ziel und habe oft an mir gezweifelt.
Dazu kamen Magenprobleme an der WM, welche sich dann auch mental bemerkbar gemacht haben und dies hat dazu geführt, dass ich mein ganz grosses Ziel, der Gewinn des Gesamtweltcups in der U23 Kategorie, im letzten Rennen vergeben habe, was extrem schmerzhaft war.

Aber wie sagt man so schön: Aus Niederlagen kann man viel lernen. Genau das ist jetzt mein Ziel für die nächste Saison. Ich habe meine 2024 gefahrenen Rennen sorgfältig ausgewertet, meine Schlüsse daraus gezogen und werde die Erkenntnisse in mein Wintertraining miteinbeziehen, so dass mir die gleichen Fehler nächstes Jahr nicht mehr unterlaufen werden.
Die Zielsetzung für die nächste Saison bleibt jedoch unverändert: Ich will in jedem Rennen meine beste Leistung abrufen können – technisch jeden Posten sauber abarbeiten und bis ins Ziel für ein gutes Resultat kämpfen. Wenn mir dies gelingt, bin ich überzeugt, dass ich einen nächsten Schritt in Richtung Weltspitze machen werde. Sollte dabei das ein oder andere Diplom herausschauen, werde ich dies natürlich mit Freude entgegennehmen.
Ich starte auch dank der Staffelmedaille, aber vor allem aufgrund der Auswertung und gemachten Erkenntnissen aus der Saison 2024, sehr motiviert in das lange Wintertraining und freue mich bereits jetzt auf alles, was das Jahr 2025 für mich bereithält.
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