In diesem Jahr startete die WM mit dem Sprint. Der Wald war etwas anders als die restlichen Wettkampfgelände: Das Rennen fand in einem ehemaligen Militärübungsgelände statt, mit alten Schützengräben und einem verhältnismässig grünen Wald. Querfahren war deshalb selten eine Option, und man durfte sich auf dem doch sehr dichten Wegnetz nicht verlieren. Ich erwischte einen fast perfekten Tag, konnte mit einem guten Plan und dem Selbstvertrauen, dass die physische Form stimmt, an die Startlinie stehen. Die Bahnanlage war ziemlich genau so, wie ich mir dies im Vorfeld vorgestellt hatte. Einige Routenwahlen hatte ich in den Vorbereitungen bereits so angeschaut und konnte sie demensprechend nur noch umsetzen. Zwar blieb auch ich nicht, wie eigentlich niemand, fehlerfrei, konnte diese aber klein halten und habe über das ganze Rennen die richtige Balance zwischen genügend Zeit nehmen fürs Kartenlesen und Pushen gefunden. Im Ziel hatte ich ein sehr gutes Gefühl und begann relativ schnell auf ein Diplom zu hoffen. Als dann Fahrerin um Fahrerin meine Zeit nicht unterbieten konnte, war ich doch sehr überrascht. Schlussendlich hat es für Silber, und dies nur 25 Sekunden hinter Gold, gereicht. Ich freue mich riesig über meine erste WM-Einzelmedaille bei der Elite.

Weiter ging es Tags darauf mit der Mitteldistanz. Diese fand grössten Teils in einem sehr dichten Wegnetz statt, welches während dem Fahren für mich manchmal kaum lesbar war. Im Startteil sind mir leider einige Fehler unterlaufen und so musste ich mich von der nach mir gestarteten Italienerin einholen lassen. Nachdem wir einige Posten gemeinsam aufs Gas drücken konnten, wurde sie dann im bereits erwähnten feinen Schlussteil unsicher und ich konnte sie wieder distanzieren, obwohl ich selber nie ein gutes Gefühl hatte, weil ich so oft das Tempo stark reduzieren musste. Am Ende resultierte ein sehr solider 13ter Schlussrang.
Am dritten Tag stand der Massenstart auf dem Programm. Kurz nach dem Start mussten wir einem sehr sandigen Weg folgen, der einige Fahrerinnen immer wieder ins Rutschen brachte. So leider auch eine direkt vor mir, was zur Folge hatte, dass ich vom Bike musste, fast nicht mehr anfahren konnte und dadurch weit zurückgespült wurde. Bei Posten 1 wurde das Feld auf drei Schlaufen aufgeteilt und ich war doch sehr erstaunt, dass ich meine ersten beiden Schlaufen komplett alleine absolvieren musste. Auf der dritten und letzten hatte ich dann wieder Konkurrentinnen um mich. Mein «Tram» (wir waren zu viert) hat den letzten Sammlungsposten auf Rang 2 verlassen. Dies wusste ich aber natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. In der Folge erwischte ich leider nicht alle schnellen Routen und musste mich noch von einigen Fahrerinnen überholen lassen und mich mit einem trotz allem guten 8. Schlussrang (mit 52 Sekunden Rückstand auf Silber) begnügen.

Nach einem sehr nötigen Ruhetag standen nun noch die Langdistanz und die Staffel zum Abschluss der WM auf dem Programm.
Bei der Langdistanz bin ich sehr gut gestartet und war bis zur Rennhälfte auf Top-10-Kurs. Leider habe ich mich zum Posten nach dem Überlauf gröber verfahren und so über 6 Minuten Fehler in Kauf nehmen müssen. In der Folge hatte ich noch einige Unsicherheiten, bevor ich, verglichen mit der absoluten Spitze, die letzten 20 Minuten wieder ein top Rennenzeigen konnte. Trotzdem war der Zeitverlust natürlich zu gross. Dazu kam, dass aufgrund des kurzen Startintervalls von nur 2 Minuten, sich viele Gruppen gebildet haben, die gengenseitig voneinander profitieren konnten, während ich über die gesamte Renndauer alleine unterwegs war. Am Ende resultierte für mich ein enttäuschender 19. Schlussrang.

Auf die abschliessende Staffel habe ich mich bereits das ganze Jahr sehr gefreut und stand bereit, an der Startlinie alles zu geben, um die im letzten Jahr gewonnene Medaille verteidigen zu können. Der Start ist mir gut geglückt und ich konnte trotz längerer Gabelungsvariante schnell wieder zur Spitze aufschliessen. Danach habe ich aber leider einen Administrativfehler begangen (in falscher Reihenfolge die Posten angefahren), was ich etwas später zum Glück noch realisiert habe und korrigieren konnte. So habe ich aber mind. 1.5 Minuten und auch den Anschluss verloren. Sehr schade, weil so Jana ganz alleine, statt im Spitzentram, auf die 2. Ablösung startete. Weil auch sie und Ursina keine perfekten Ablösungen gelungen sind, mussten wir unsere Medaillenhoffnungen begraben und mit dem 5. Rang vorliebnehmen. Wir haben alle unser Bestes gegeben und werden dafür sorgen, nächstes Jahr wieder um die Podestplätze mitfahren zu können.
Abschliessend kann ich festhalten, dass ich, trotz einigen unnötigen, ärgerlichen Fehlern, sehr stolz auf meine WM bin und auch sein darf. Ich habe in diesem Jahr einen weiteren Schritt Richtung Weltelite machen können. Nicht nur bin ich physisch genau im richtigen Zeitpunkt in Form gewesen, sondern habe auch sowohl im technischen wie auch im mentalen Bereich an Stabilität gewonnen. Jetzt freue ich mich auf einige Tage Erholung, bevor die Vorbereitungen fürs Weltcupfinale in Bulgarien starten, wo ich meinen Top-10 Platz im Gesamtweltcup verteidigen will.

Schreiben Sie einen Kommentar