Nach meinem Studienabschluss an der Uni Bern im Juni wollte ich meinen letzten langen Sommer vor dem Berufseinstieg noch einmal voll auskosten. Bereits nach knapp vier Wochen in der Schweiz ging es deshalb Anfang Juli wieder nach Schweden. Nach einer Ferienwoche stand mit dem O-Ringen einer der traditionsreichsten Orientierungslauf-Anlässe der Welt auf dem Programm.
Zum zweiten Mal startete ich dort in der Kategorie MTBO D21. Auch wenn diese offiziell nicht als Elitekategorie geführt wird, war das Teilnehmerfeld internationale gut besetzt. Für mich war der O-Ringen vor allem eine ideale Gelegenheit, unter Wettkampfbedingungen möglichst viele Kartenkilometer zu sammeln und weitere Erfahrungen im schwedischen Gelände zu gewinnen. Obwohl das Gelände rund um Göteborg deutlich steiler und technischer ist als jenes in Mora, wo Ende August die Weltmeisterschaften stattfinden, war diese Woche ein wichtiger Bestandteil meiner WM-Vorbereitung.

Schwieriger Auftakt mit Happy End
Die Wettkampfwoche begann mit einer langen und äusserst anspruchsvollen Langdistanz. Technisch schwierige Singletrails mit vielen Wurzeln, Steinen und steilen Rampen machten das Rennen zu einer echten Herausforderung. Schon früh musste ich kämpfen – nicht nur gegen das Gelände, sondern auch gegen meinen eigenen Kopf. Ich versuchte, möglichst sichere Routen zu wählen und mich immer wieder neu zu motivieren. Dass ich dieses Rennen am Ende tatsächlich gewinnen würde, hätte ich während des Wettkampfs nie gedacht.
Am zweiten Tag folgte eine Mitteldistanz auf etwas besser fahrbaren Wegen. Mit einem kontrollierten Rennen und nur kleinen Fehlern konnte ich meinen zweiten Tagessieg feiern und meine Führung im Gesamtklassement auf über fünf Minuten ausbauen.
Rückschlag und starke Reaktion
Die dritte Etappe verlief deutlich weniger nach Wunsch. Ein Kartenfehler sowie ein nicht existierender Weg im Gelände kombiniert mit einem Richtungsfehler meinerseits kosteten mich mehrere Minuten. Dadurch fiel ich auf den fünften Tagesrang zurück und mein Vorsprung im Gesamtklassement schrumpfte auf lediglich 25 Sekunden.
Nach dem Ruhetag bot sich im verlängerten Sprint die perfekte Gelegenheit zur Reaktion. Auf abwechslungsreichem Terrain gelang mir ein nahezu fehlerfreies Rennen. Es fühlte sich gut an, wieder einmal einen Wettkampf zu erleben, in dem einfach alles zusammenpasste. Mit meinem dritten Tagessieg konnte ich den Vorsprung in der Gesamtwertung wieder auf knapp drei Minuten ausbauen.
Nerven behalten bis zum Schluss
Die letzte Etappe wurde im Jagdstartformat ausgetragen. Mein Ziel war klar: den Gesamtsieg absichern und unnötige Risiken vermeiden. Genau das fiel mir aufgrund der Nervosität jedoch schwer. Bereits zu Beginn schlichen sich Unsicherheiten und kleinere Fehler ein. Während des gesamten Rennens war ich überzeugt, dass meine Verfolgerinnen jederzeit auftauchen würden. Doch auch sie hatten mit der Müdigkeit und den schwierigen Bedingungen zu kämpfen. So konnte mich niemand mehr einholen, und ich durfte am Ende nicht nur den Gesamtsieg, sondern auch meinen vierten Tagessieg feiern.

Wertvolle Vorbereitung auf die WM
Mit vier Etappensiegen und dem Gesamtsieg blicke ich auf eine äusserst erfolgreiche Woche in Göteborg zurück. Noch wertvoller als die Resultate sind für mich jedoch die vielen Stunden im anspruchsvollen Gelände und die gesammelten Erfahrungen. Genau solche Wettkämpfe sind die beste Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften.
Nun geht es zurück ins Training und für die letzten Vorbereitungen nach Norwegen. Ich freue mich riesig auf die WM in Mora und darauf, die bisher schon erfolgreiche Saison mit einem weiteren Höhepunkt abzuschliessen.

Die WM in Mora vom 26.09 – 30.09.2026 kann hier live mitverfolgt werden.
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