Dieses Jahr bin ich wie immer im November ins Wintertraining gestartet. Dank des warmen Wetters gegen Ende des Jahres konnte ich bereits einige qualitativ gute Wochen auf dem Bike und Rennvelo geniessen. Aufgrund des Schneemangels waren sogar Biketouren auf 1800 m ü. M. möglich – inklusive unterhaltsamen Begegnungen mit Ski tragenden Skitourengängern.
Anfang Januar gab ich dann meine Masterarbeit ab, packte meine Koffer und bereitete mich auf mein Austauschsemester in Schweden an der Universität Stockholm vor. Am 12. Januar ging das Abenteuer los. Zusammen mit einer Freundin machte ich mich auf den Weg in den Norden. Nach unserer Ankunft wurde schnell klar: Wir haben den Winter gefunden. Das Mietauto musste zuerst während etwa einer halben Stunde vom Schnee befreit werden, bevor wir den Roadtrip auf schneebedeckten Strassen Richtung Falun starten konnten.

Während fünf Tagen genossen wir die herrlichen Loipen und die verschneiten Wälder rund um Falun, bevor es zurück nach Stockholm zur Übernahme meines Wohnheimzimmers ging. Der Alltag hatte mich wieder – Der Semesterbeginn Mitte Januar liess wenig Zeit zum Ankommen – neue Umgebung, Trainingsorganisation, erste Vorlesungen und viele neue Bekanntschaften bestimmten die ersten Wochen.
Laut den Stockholmern habe ich dieses Jahr Glück – es ist der kälteste und schneereichste Winter seit Jahren. Seit meiner Ankunft ist das Thermometer nur selten in Richtung Nullgradgrenze geklettert, und die Fusswege sowie der Wald waren noch nie schneefrei. Das führte allerdings dazu, dass ich mein Bike bisher nur ein einziges Mal hervorgeholt habe, um zu testen, ob ein Training möglich und sinnvoll ist …
Die Antwort: nein.
Also galt es, Alternativen zu finden. Wie geplant habe ich mich dem OL-Klub Haninge SOK angeschlossen und wurde dort mit offenen Armen empfangen. Nun besuche ich regelmässig die Clubtrainings: dienstags Intervalltraining (aktuell noch zu Fuss) und donnerstags ein gemeinsamer, teilweise querfeldein führender Dauerlauf – oder genauer gesagt Linien-OL. Was im vielen Schnee gar nicht so einfach ist, denn die schwedischen «Wägli» verschwinden teilweise komplett.
Des Weiteren verbringe ich viele Stunden im Gym auf dem Uni-Campus – einige davon im Kraftraum, andere auf dem Spinning-Bike. Glücklicherweise konnte ich Langlaufski ausleihen, sodass ich einen Grossteil der GA1-Trainings auf den zahlreichen Loipen rund um Stockholm geniessen kann.
Anfang Februar nahm ich ausserdem am Stockholm Indoorcup teil, um mir wieder einmal zu beweisen, dass man sich auch in einem Gebäude verirren kann.

Neben all dem Training und der Uni geniesse ich das Leben in Stockholm. Ich besuche die typischen Sehenswürdigkeiten (noch ohne Touristenströme 😉), mache Spaziergänge auf zugefrorenen Seen und Meeresarmen oder verbringe Zeit mit neu gewonnenen Freunden. Und was ganz sicher nicht zu kurz kommen darf, ist «Fika» – das schwedische Wort für Kaffeepause, bei der ein leckeres Gebäck natürlich nicht fehlen darf.
Aktuell freue ich mich noch über die wohl letzten weissen Tage, bevor die Wetterprognose für nächste Woche auch hier wärmere Temperaturen und Regen ankündigt. Doch lange dauert es nicht mehr, bevor es Richtung Portugal ins erste Trainingslager geht – und damit stehen auch die ersten Selektionsläufe der Saison an.
Ich freue mich darauf, nach langer Zeit wieder einmal ein ehrliches Feedback zu meinem aktuellen Formstand zu erhalten und zu sehen, wie sich das etwas andere Wintertraining ausgewirkt hat.

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